0.1) Fast alle Armbruste schiessen präzise, solange der Schütze keinen Fehler macht!? Das stimmt höchstens, solange man nur einen Fussball auf 20 m treffen will. Bei einem Tennisball auf 50 m scheiden die meisten Armbruste bereits aus, und bei 70-100 m sind nur noch einzelne im Rennen (unabhängig vom Schützen oder dem verwendeten Zubehör).
0.2) Das Zuggewicht gibt die Stärke der Armbrust an!? Das stimmt nur teilweise, weil die Auszugslänge und Konstruktionsweise des Bogens ebenso wichtig sind.
0.3) Compoundarmbruste profitieren beim Spannen vom Seilrollenprinzip (Flaschenzug)!? Nein, denn dazu würden sie mindestens die doppelte Auszugslänge benötigen. Stattdessen wird das Hebelprinzip genutzt, weswegen die Rollen (Cams) auch nicht mittig eingehängt und meistens nicht rund sind. Damit bei steigendem Auszug die Zugkraft konstant bleibt oder sogar absinkt, muss der Hebel auf der Sehnenseite zunehmen und auf der Kabelseite abnehmen. Unglaublicherweise gibt es noch immer Fernosthersteller, welche nicht einmal zu kopieren verstehen und ihre Armbruste daher mit einfachen Seilrollen bauen (= geringere Abschussenergie als mit einfachem Bogen).
0.4) Compoundarmbruste erfordern zum Spannen weniger Energie als ähnlich leistungsstarke Recurvearmbruste!? Nein, das Gegenteil stimmt. Zwar ist die maximale Zugkraft beim Compoundsystem geringer, aber diese muss über einen längeren Teil des Zugvorgangs beibehalten werden. Beim Recurvesystem steigt die Zugkraft stetig an und ist nur im letzten Teil des Auszuges höher als beim Compound. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, dass der Recurveschütze 1x 110 kg hochziehen muss während es beim Compoundschützen ca. 2x 80 kg sind. Der letztere hat insgesamt mehr zu ziehen, auch wenn es in kleinere Lasten verteilt ist.
<Compound = ca. 1,4 x Recurve>
(Der Energieaufwand beim Spannen entspricht jeweils der Fäche unter der Kurve.)
0.5) Compoundarmbruste sind effektiver als Recurvearmbruste, weil ihre Pfeilbeschleunigung erst kurz nach dem Start voll einsetzt!? Nein, denn die effektivste Nutzung der Auszugslänge geschieht durch maximal mögliche Beschleunigung bereits vom Start weg und bis zum Ende. Es gibt ja auch entsprechende Compoundarmbruste, welche beim Spannen die maximale Zugkraft bis zum Einrasten des Schlosses beibehalten. Aber selbst diese können nur durch viel stärkere Wurfarme mehr Abschussenergie erreichen als vergleichbar schnelle Recurvearmbruste. Zum Beweis kann man die Rollenachsen direkt mit einem Seil verbinden (wie eine Bogensehne) und damit die Wurfarme soweit spannen wie im Normalbetrieb - falls man das ca. 3,5x höhere Zuggewicht überhaupt schafft.
0.6) Eine Trockenschuss-Sicherung schützt wirksam gegen Leerschüsse!? Das stimmt nur teilweise. Viele der betreffenden Armbruste benötigen nämlich Pfeile mit Moon(Halbmond)-Nock. Wenn man diese versehentlich mit der falschen Feder in die Schiene legt, dann rutscht beim Schuss die Sehne unter dem Pfeil durch mit gleicher Auswirkung wie ein Leerschuss (Schäden an Wurfarmen und eventuell Rollen sowie Bespannung).
0.7) Für Armbruste genügen billige Zielfernrohre!? Das stimmt nur für schwache Armbruste, mit welchen man sowieso kaum weiter als 30 m genau trifft. Starke Armbruste benötigen nicht nur wegen der grösseren Schussentfernungen bessere Zielfernrohre, sondern auch wegen der höheren Schussbelastung des gesamten Materials. Billigoptiken weisen manchmal schon nach 50 Schüssen ein undichtes Gehäuse, lockere Einzelteile oder wandernde Trefferlagen auf. Es gibt sogar in der optischen Mittelklasse nur wenige Hersteller, deren Zielfernrohre dauerhaft schussfest sind.